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Aktuelles

Bilder von der Protestaktion anlässlich von Zirkusveranstaltungen mit Wildtieren

Thema: "Manege Frei von Tierquälerei"

Ort: Auf dem Bürgersteig vor dem ehemaligen Exerzierplatz Gelnhausen (Cassebeerstraße).
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Von Jakob Mähler (GT  15.12.16)

GELNHAUSEN - Dienstagabend, Jahnhalle Hailer: Die Stadtverordneten der Barbarossastadt stimmen einem Antrag von SPD, BG und Grünen zu, erlassen ein kommunales Wildtierverbot für Zirkusse. Gegenstimmen kommen von der FDP, ein solches kommunales Wildtierverbot sei rechtlich nicht haltbar, dünnes juristisches Eis wird bescheinigt. Doch stimmt das? "Nein", sagt Bürgermeister Thorsten Stolz, "jedoch kann die Stadt Gelnhausen selbst entscheiden, wer auf den stadteigenen Flächen gastiert." "Nein", sagt auch das Aktionsbündnis "Tiere gehören zum Zirkus", "totaler Schwachsinn" heißt es vom Circus Krone. Rechtliche Unbedenklichkeit wird dagegen vom Aktionsbündnis "Tiere gehören nicht zum Zirkus" bescheinigt. Eine Faktensammlung. 

Kein eigenständiges Verbot

Elefanten, die auf Bällen balancieren. Löwen und Tiger, die durch Reifen springen. Wenige Themen werden so gegenteilig diskutiert wie ein Wildtierverbot im Zirkus. Kaum ein Thema wird durch gegensätzliche Rechtsprechungen neu aufgerollt, neu beleuchtet und neu definiert. Durch fehlende bundesweite Regelungen branden die Diskussionen nun in den Städten und Gemeinden auf, so wie in Gelnhausen. Mit großer Mehrheit wurde hier ein kommunales Wildtierverbot beschlossen. Also bald keine Tiger mehr in den Manegen der Barbarossastadt?

Ganz so einfach ist das nicht, weiß auch Bürgermeister Thorsten Stolz: "Gelnhausen kann kein eigenständiges Wildtierverbot beschließen, ein solches haben die Stadtverordneten auch nicht verabschiedet", erklärt der Rathauschef. Hier gelte es zu differenzieren: "Die Stadt Gelnhausen kann aber selbst über die Vermietung ihrer eigenen kommunalen Flächen entscheiden. In Zukunft wird es also so sein, dass Flächen, die der Stadt oder den stadteigenen Gesellschaften gehören, künftig nicht mehr an Zirkusse mit Wildtieren vermietet werden." Die Entscheidung darüber wird der Magistrat der Stadt, vertreten durch Stolz als Bürgermeister oder, falls es um Flächen des Technologie- und Dienstleistungszentrums am Herzbachweg geht, die Stadtentwicklungsgesellschaft treffen. "Künftig wird es eine abschließende Liste mit Tieren geben, die unter das Verbot fallen. Es werden zudem Recherchen über jede Platzvergabe betrieben werden. Tierschutzrechtliche Belange werden vom Veterinäramt in Augenschein genommen." Das Wildtierverbot trete ab sofort in Kraft, Zirkusse mit Wildtieren, die kommunale Flächen angefragt oder gemietet haben, "erhalten künftig eine Absage."

Rechtlich also unbedenklich, da nur über stadteigene Flächen entschieden wird? Nicht ganz, lässt sich aus den Unterlagen des Aktionsbündnisses "Tiere gehören nicht zum Zirkus" entnehmen. Hier wird auf einen Fall aus Darmstadt im Jahr 2012 verwiesen, bei dem erst nach Abschluss eines Vertrages mit dem "Zirkus Krone" ein Wildtierverbot beschlossen wurde, woraufhin der Zirkus vor Gericht eine Erfüllung des Vertrages einklagte. Angeführt werden aber auch zwei Entscheidungen der Verwaltungsgerichte München und Darmstadt vom Oktober dieses Jahres, die ein kommunales Wildtierverbot für rechtskräftig halten und keine Einschränkung in der Berufsfreiheit sehen. "Jeder Einzelfall von Tierquälerei im Zirkus ist einer zu viel", sagt Maja Renz vom Aktionsbündnis und verweist auf die Bundestierärztekammer, die "systemimmanente Probleme mit der Haltung bestimmter Tierarten" anprangert und ein generelles Wildtierverbot in Deutschland fordert: "Die Tiere können nicht nachhaltig und dauerhaft medizinisch betreut werden. Die vielgepriesenen Kontrollen beziehen sich nur auf Gehegegröße und Pflegezustand und nicht auf das Wohlergehen der Tiere."

Zwei Drittel der Bevölkerung würden ein Wildtierverbot unterstützen und auch der Aspekt der Sicherheit sei nicht zu unterschätzen: "Wir erinnern an die tödliche Attacke der Elefantenkuh "Benjamin", die laut einem zirkusnahen Arzt ungefährlich und auch nicht mehr in eine Herde integrierbar sei. Sie lebt mittlerweile ganz zufrieden bei anderen Elefanten in einem Safaripark."

In den vergangenen Jahren habe es zusätzlich noch zwei tödliche Attacken von ausgebrochenen Zirkustieren geben, "auch in diesem Jahr sind wieder viele Ausbrüche zu beklagen, zum Glück noch ohne Todesfälle. Der ständige Transport und Ortswechsel stellt für bestimmte Tierarten wie Elefanten großen Stress dar. Selten bieten die angemieteten Plätze auch die richtige Bodenbeschaffenheit. Es herrscht ein artfremdes Klima und adäquate Winterquartiere fehlen."

Auch die Symbolik, die Kindern vermittelt wird, sieht das Aktionsbündnis kritisch: "Es wird gezeigt, dass es völlig in Ordnung ist, Schwächere zu unterwerfen. Tiere für kommerzielle Zwecke auszubeuten ist schlichtweg falsch." Ein deutschlandweites Verbot würde nur ungefähr 60 Tiere betreffen: "Auch das Argument, Wildtiere würden durch einen Zirkus vor dem Tod in freier Wildbahn gerettet werden, ist keinesfalls beweisen. Dies wird mit einem Foto auf der Homepage des "Circus Krone" "untermauert", welche die angeblich erschossenen Tiere zeigt, jedoch aus einem Zoo in den USA stammt."

Kann also ein Zirkusbetreiber mit Wildtieren in Gelnhausen auf einer Privatfläche gastieren und somit das Verbot der Stadt Gelnhausen umgehen? "Ja", sagt der Tierschutzbeauftragte des "Circus Krone", Frank Keller. "Wir haben bereits zwei Mal erfolgreich gegen ein solches Verbot geklagt. Dies verstößt gegen den Grundsatz der Berufsfreiheit." Wie in jedem Bereich gebe es auch unter den Zirkusbetreibern schwarze Schafe: "Aber das darf man nicht verallgemeinern. Man kann ja auch nicht jedem Autofahrer den Führerschein abnehmen, weil ein paar schlecht fahren."

99 Prozent der Zirkustiere seien keine Wildtiere mehr, "wir fahren ja nicht mit dem Lasso nach Afrika und fangen sie ein." Sie seien teilweise schon in der 19. Generation im Zirkus: "Es gibt strenge Vorschriften über Haltung, Futter und Training. Tiere machen nicht einfach Kunststücke, sie sind sehr sensibel. Eine solche Bindung baut sich über viele Jahre zwischen Pfleger und Tier auf." Die Kunststücke seien normale, spielerische Verhaltensweisen, die zum Zeitpunkt der Aufführung abgerufen werden: "Kinder erhalten dadurch auch kein falsches Bild. Solche Vorführungen gibt es ja auch in Zoos. Nicht jeder kann nach Afrika fahren und sich die Tiere anschauen.

"Entbehrt jeder Grundlage"

Auch das Aktionsbündnis "Tiere gehören zum Zirkus" untermauert diese Meinung: "Wir lehnen kommunale Wildtierverbote entschieden ab. Sie sind weder rechtlich noch inhaltlich haltbar." Effektive Kontrollen und hohe Standards seien der bessere Weg: "Pauschale Verbote dagegen treffen Unternehmen, die ihre Tiere vorbildlich halten."

Dass die Haltung im Zirkus den Bedürfnissen der Tiere nicht gerecht würde, "entbehrt jeder Grundlage." Gut geführte Zirkusse würden eine Tierhaltung ermöglichen, die etwa Zoos oder Tierparks in nichts nachsteht: "Für Kinder bietet der Zirkus einen direkten Kontakt zu Tieren, wie es ihn sonst nirgends gibt. Für Tiere, die nicht mehr auftreten, existieren geeignete Unterbringungen."

 

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